Aknenarben behandeln: Welche Methode bei welcher Narbenart wirklich hilft

Die Behandlung von Aknenarben ist deutlich komplexer, als es in sozialen Medien oft dargestellt wird. Während dort häufig einzelne Methoden als „die Lösung“ präsentiert werden, hängt der Behandlungserfolg in der Praxis von vielen individuellen Faktoren ab. Entscheidend sind vor allem die Art der Narben, ihre Tiefe sowie der jeweilige Hauttyp. In diesem Artikel geben wir Ihnen einen strukturierten Überblick über die verschiedenen Behandlungsverfahren und zeigen, welche Methoden sich für welche Narbenarten eignen.

Prof. Dr. Peter Arne Gerber
Facharzt für Dermatologie und Venerologie
Aknenarben: Welche Behandlung bei welchem Narbentyp
Inhalt

Welche Behandlung bei welcher Art von Aknenarben?

NarbenartTypische AusprägungMögliche TherapienHinweise
Hypertrophe NarbenErhaben, verdichtetes GewebeGgf. chirurgische MassnahmenEher selten bei Aknenarben
Atrophe NarbenEingesunken, GewebeverlustChirurgisch, Energy-Based-Devices, PeelingsIndividuelle Beurteilung durch Dermatologe
Boxcar NarbenScharf begrenzte, tiefe EinsenkungenStanzen & zunähen oder Punch-Elevation, danach Laser, Needling und/oder PeelingOft Kombination aus Chirurgisch und Laser. Zuerst Tiefe behandeln, dann Oberfläche.
Rolling-NarbenWellige HautstrukturSubzision & ggf. Unterspritzung mit Fillern oder Kollagenstimulatoren, danach Laser, Needling und/oder PeelingOft Kombination aus Chirurgisch und Laser. Zuerst Tiefe behandeln, dann Oberfläche.
Ice-Pick-NarbenTiefe, nadelstichige NarbenTCA-Cross, Phenol-Peel, LaserPunktuelle + flächige Behandlung kombinieren

Welche Rolle spielt der Hauttyp bei der Aknenarben-Behandlung?

HauttypBehandlungHinweise
Heller HauttypLaserbehandlung (z.B. CO2 oder Erbium-Glass), Radiofrequenz-MicroneedlingHelle Hauttypen haben höhere Hitzeverträglichkeit, geringeres Risiko für Pigmentverschiebungen
Dunkler HauttypEher nicht-thermische Verfahren, z.B. klassisches Microneedling (ggf. in Kombination mit PRP oder PDRN)Dunkle Hauttypen haben erhöhtes Risiko für Pigmentverschiebungen. Durch geringere Hitze minimieren wir das Risiko für Hyper-/Hypopigmentierung
Eine wichtige Rolle spielt zudem die optimale Vorbereitung und Nachsorge der Haut. Vor der eigentlichen Behandlung kann die Haut mit Polynukleotiden (PDRN), Kalziumhydroxylapatit (CaHA) oder Polymilchsäure (PLLA) konditioniert werden, um die Regenerationsfähigkeit zu verbessern und die Wirksamkeit der Therapie zu steigern. PRP (plättchenreiches Plasma) kann die Heilung beschleunigen und die Ausfallzeit reduzieren.

Nach aktueller Studienlage ist der CO₂-Laser die effektivste Methode zur Behandlung atropher Aknenarben. Durch gezielt intensivere Behandlungsprotokolle und Kombinationsbehandlungen erreichen wir maximale klinische Effekte.

Prof. Dr. Peter Arne Gerber

Subzision & Filler bei tief fixierten atrophen Aknenarben

Bei manchen eingesunkenen Aknenarben ist die Haut in der Tiefe durch feine Narbenstränge fest mit dem Gewebe verbunden. Dadurch wird sie nach unten gezogen und lässt sich nicht frei bewegen. In solchen Fällen reicht eine Behandlung der Oberfläche allein nicht aus, da zunächst diese Verbindungen gelöst werden müssen, um die Haut wieder anzuheben.

Ergänzend kann anschließend ein Filler eingesetzt werden, um das angehobene Gewebe zu stabilisieren und zu verhindern, dass das gelöste Gewebe direkt wieder festwächst. Im nächsten Schritt kann dann die Hautoberfläche mit nicht-ablativen Lasern, RF-Microneedling, klassischem Microneedling oder chemischen Peelings behandeln werden.

Behandlung von Aknenarben mit leichter Ausprägung

Sind Aknenarben nicht so stark ausgeprägt, kann ein nicht-ablativer fraktionaler Laser eingesetzt werden. In unserer Praxis arbeiten wir mit einen Erbium-Glass-Laser, bei dem die Downtime deutlich geringer ausfällt als beispielsweise beim CO2-Laser. Dafür sind entsprechend mehr Sitzungen notwendig.

Bei der Behandlung von Aknenarben kann man nie vorhersagen, wie gut die Therapie anspricht. Deshalb bin ich mit großen Versprechungen zurückhaltend. Mir ist es lieber, wenn der Patient positiv überrascht ist, als dass ich das Blaue vom Himmel verspreche und der Patient ist am Ende enttäuscht.

Prof. Dr. Peter Arne Gerber Ausschnitt aus dem Fachmagazin «derma aktuell»

Autor

Prof. Dr. Peter Arne Gerber

Prof. Dr. Peter Arne Gerber

Facharzt für Dermatologie und Venerologie
Er ist Autor- und Co-Autor von über 200 wissenschaftlichen Artikeln und Buchbeiträgen und regelmäßiger Referent auf nationalen und internationalen Kongressen. Darüber hinaus ist er Gerichtsgutachter für die Bereiche Dermatologie, Lasermedizin und Ästhetische Medizin.
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