Prof. Dr. Peter Arne Gerber im FAZ-Interview.
Fachliche Einordnung zu CO₂-Laser, Botulinumtoxin, Filler, Biostimulatoren und Hautkrebsvorsorge

Warum ich Patienten manchmal bewusst von einer CO₂-Laserbehandlung abrate
Als Dermatologe empfehle ich den CO₂-Laser gezielt bei tiefen Aknenarben und deutlicher Hautalterung – rate aber bei ungeeigneten Hauttypen oder geringen Hautveränderungen bewusst davon ab, da schonendere Verfahren oft das bessere Nutzen-Risiko-Verhältnis bieten.
Der fraktionierte CO₂-Laser zählt zu den wirksamsten Verfahren zur Hautverjüngung, Unterlidstraffung und zur Behandlung ausgeprägter Aknenarben. Gerade deshalb wird er derzeit in sozialen Medien häufig als Universallösung dargestellt. Viele Patienten kommen mit dem Wunsch in meine Sprechstunde, sich genau mit diesem Laser behandeln zu lassen. Meine Aufgabe als Dermatologe besteht jedoch nicht darin, einen bestimmten Laser einzusetzen, sondern die medizinisch beste und sicherste Behandlung für den einzelnen Patienten auszuwählen.
Ein CO₂-Laser eignet sich nicht für jeden Hauttyp und nicht für jede Hautveränderung. Insbesondere bei dunkleren Hauttypen besteht ein erhöhtes Risiko für Pigmentstörungen oder langanhaltende Hautveränderungen. Auch wenn nur feine Knitterfältchen oder geringe Hautveränderungen vorliegen, gibt es häufig schonendere Verfahren mit einem günstigeren Nutzen-Risiko-Verhältnis.
Ich erkläre meinen Patienten deshalb offen, wenn ich von einer CO₂-Laserbehandlung abrate. Das mag im ersten Moment enttäuschend sein, führt langfristig jedoch meist zu besseren Ergebnissen und vermeidet unnötige Risiken.
In der Medizin gilt ein Grundsatz, der auch in der Lasertherapie große Bedeutung hat: Nicht jede technisch mögliche Behandlung ist automatisch die richtige Behandlung.
Deshalb steht bei jeder Beratung zunächst die Frage: Welches Verfahren bietet für diesen Patienten den größten Nutzen bei möglichst geringem Risiko? Erst wenn diese Frage beantwortet ist, entscheiden wir gemeinsam über die geeignete Therapie.

Sinnvoll ist der CO2 Laser vor allem bei ausgeprägten, tiefen Aknenarben. Dennoch gilt ein Grundsatz, den ein erfahrener Kollege einmal treffend formuliert hat: „If you don’t need a laser, don’t use a laser.“
Prof. Dr. Peter Arne Gerber
Zitat aus dem FAZ-Interview
Warum ich kein Freund von Präventiv-Botox bei Zwanzigjährigen bin
Präventiv-Botox bei Menschen Anfang/Mitte zwanzig halte ich medizinisch meist für nicht notwendig, da in diesem Alter noch keine behandlungsbedürftigen Falten vorliegen.
In den letzten Jahren beobachte ich einen Trend, den ich kritisch sehe: Immer öfter wird Präventiv-Botox bereits Menschen Anfang oder Mitte zwanzig empfohlen, mit dem Argument, Falten würden so gar nicht erst entstehen.
Für die meisten jungen Erwachsenen gibt es dafür jedoch keine medizinische Notwendigkeit. In diesem Alter sind mimische Falten meist noch nicht behandlungsbedürftig. Statt eines echten Problems wird hier oft ein Zustand behandelt, der noch gar nicht existiert.
Meine Empfehlung: Botox gegen Falten erst dann einsetzen, wenn Falten sichtbar werden und als störend empfunden werden. Ziel ist dabei nicht, jede Mimik zu unterdrücken, sondern den Gesichtsausdruck natürlich und frisch zu erhalten.
Warum Biostimulatoren kein Wundermittel sind
Biostimulatoren, seien es Polymilchsäure, Calcium-Hydroxylapatit oder ähnliche, sind weder besser noch schlechter als Hyaluronsäure-Filler. Entscheidend sind Patientenauswahl, Dosierung und Erfahrung des Arztes. Bei übermäßiger Anwendung erwarte ich künftig ähnliche Komplikationsdiskussionen wie bei Fillern heute.
Kaum ein Thema wird derzeit so intensiv diskutiert wie Kollagen-Biostimulatoren. Präparate auf Basis von Polymilchsäure oder Calcium-Hydroxylapatit versprechen natürliche Hautverjüngung durch Anregung der körpereigenen Kollagenbildung – tatsächlich keine neue Entwicklung, sondern seit Jahren erfolgreich eingesetzt.
Der aktuelle Hype führt jedoch dazu, dass diese Behandlungen zunehmend unkritisch beworben werden. Dadurch entsteht der Eindruck, eine neue Methode sei grundsätzlich besser als bewährte Verfahren. Das ist eine zu einfache Betrachtung: Biostimulatoren sind weder besser noch schlechter als Hyaluronsäure-Filler. Entscheidend ist, für welchen Patienten sie geeignet sind, in welcher Dosierung und mit welcher Erfahrung des Arztes.
Es gilt Paracelsus’ Grundsatz: „Die Dosis macht das Gift.“ Bei zu hoher Menge oder ungeeigneten Patienten entstehen unerwünschte, oft schwer korrigierbare Ergebnisse. Ich gehe davon aus, dass wir künftig vermehrt über Komplikationen durch übermäßige Anwendung sprechen werden, ähnlich der heutigen Filler-Skepsis.
Mein Anspruch ist deshalb nicht, jedem Trend zu folgen, sondern die Behandlung zu wählen, die wissenschaftlich sinnvoll, sicher und langfristig überzeugend ist.

Warum Sonnenschutz vor allem im Kindesalter so wichtig ist.
UV-Schäden aus Kindheit und Jugend erhöhen das Risiko für Hautkrebs und beschleunigte Hautalterung ein Leben lang. Konsequenter Sonnenschutz und regelmäßige Hautkrebsvorsorge sind die wirksamsten Mittel, dem entgegenzuwirken.
Die Haut besitzt ein bemerkenswertes Gedächtnis: UV-Schäden speichern sich in den Hautzellen und begleiten uns oft ein Leben lang. Ein Großteil der späteren Hautgesundheit entscheidet sich deshalb bereits in Kindheit und Jugend. Vor allem Sonnenbrände in jungen Jahren erhöhen das Risiko für Hautkrebs – insbesondere für das maligne Melanom, das eng mit intensiver UV-Belastung in frühen Lebensjahrzehnten zusammenhängt.
Auch die Hautalterung wird maßgeblich durch Sonne bestimmt: Falten, Pigmentflecken und Elastizitätsverlust sind oft weniger eine Folge des Alters als jahrzehntelanger UV-Einwirkung. Besonders kritisch sehe ich deshalb Solarien – künstliche UV-Strahlung beschleunigt die Hautalterung und erhöht nachweislich das Hautkrebsrisiko, ohne gesundheitlichen Nutzen.
Die gute Nachricht: Kaum ein Risikofaktor lässt sich so gut beeinflussen. Konsequenter Sonnenschutz, das Vermeiden von Sonnenbränden und regelmäßige Hautkrebsvorsorge sind die wirksamsten Maßnahmen. Es geht nicht darum, die Sonne zu meiden, sondern um einen bewussten Umgang mit UV-Strahlung – wer früh schützt, legt den Grundstein für gesunde Haut bis ins hohe Alter.
Das vollständige FAZ-Interview mit Prof. Dr. Peter Arne Gerber
Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht Prof. Dr. Peter Arne Gerber über weitere Themen der modernen Dermatologie und ästhetischen Medizin. Unter anderem geht es um Botulinumtoxin, Hyaluronsäure Filler, Biostimulatoren, CO₂ Laser, Rosacea, Hautalterung, Hautkrebsvorsorge sowie den Einfluss von Ernährung und Lebensstil auf die Hautgesundheit. Das vollständige Interview finden Sie in der aktuellen Ausgabe der FAZ.


