Sind Tattoos krebserregend?
SZ-Interview-Einblick
von Prof. Dr. Peter Arne Gerber
Einblicke zu Krebsrisiko bei Tattoos, Allergien und Laserentfernung

Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch zusammen. Den vollständigen Original-Artikel finden Sie beim SZ-Magazin (kostenpflichtiger Zugang): Sind Tattoos krebserregend? – SZ-Magazin
Wie Tattoofarbe in der Haut wirkt
Prof. Gerber erklärt, dass Tattoopigmente beim Stechen in die mittlere Hautschicht, die Lederhaut (Dermis), eingebracht werden. Dort versucht der Körper, die Farbpartikel über seine körpereigenen Fresszellen (Makrophagen) zu beseitigen – scheitert daran aber, weil die Pigmente weder abgebaut noch abtransportiert werden können. Die Zellen kapseln das Fremdmaterial stattdessen dauerhaft in der Haut ein. Genau dieser Einkapselungsprozess ist es, der das sichtbare Tattoo entstehen lässt.
Ein Teil der Farbpartikel wandert allerdings bereits beim Stechen über die Lymphbahnen ab und lagert sich in den Lymphknoten ein – ein Effekt, der bei Operationen mitunter sichtbar wird, wenn sich Lymphknoten im Abflussgebiet tätowierter Hautareale sichtbar verfärbt zeigen.
Die Entfernung eines Tattoos kann sich über ein bis drei Jahre hinziehen – und aufsummiert kann sich schnell ein Gesamtpreis von zwei- bis dreitausend Euro ergeben.
Zitat aus dem SZ-Interview von Prof. Dr. Peter Arne Gerber
Erhöhen Tattoos das Krebsrisiko?
Genau an diesem Punkt setzt die aktuelle Forschung an: Einzelne Studien, darunter eine vielbeachtete schwedische Untersuchung, bringen Tätowierungen mit einem erhöhten Risiko für Lymphknotenkrebs (Lymphome) in Verbindung. Prof. Gerber ordnet das im Interview differenziert ein:
Die Studienlage ist widersprüchlich und unter Fachleuten umstritten. Die in der schwedischen Studie gefundene Risikoerhöhung betraf nur eine kleine Untergruppe – hochgerechnet auf die weltweit tätowierte Bevölkerung wäre die zu erwartende Fallzahl unrealistisch hoch.
Nach heutigem Kenntnisstand sind die in Lymphknoten eingelagerten Pigmentmengen nach Einschätzung von Prof. Gerber zu gering, um ein hohes Krebsrisiko zu begründen. Er verweist auf den Grundsatz von Paracelsus (“Die Dosis macht das Gift”) und ordnet Faktoren wie Rauchen, Alkohol und UV-Strahlung als eindeutig schädlicher ein. Was nach seiner Einschätzung fehlt, sind belastbare Langzeit-Populationsstudien über Jahrzehnte, die systematisch Tattoo-Daten (Anzahl, Farben, Fläche) erfassen. Nur mit sehr großen Stichproben lassen sich kleine, aber reale Effekte überhaupt statistisch nachweisen.
Tattoo-Allergien: Warum Rot besonders häufig Probleme macht
Neben der Krebsdebatte sind akute Hautreaktionen bei Tattoos in der Praxis deutlich häufiger. Prof. Gerber beobachtet am häufigsten Sensibilisierungen (Allergien) gegen rote Pigmente bzw. gegen die darin enthaltenen Azo-Verbindungen. Menschen mit gesundheitlichen Bedenken rät er im Beratungsgespräch tendenziell zu einfarbig schwarzen Tattoos. Diese lösen die wenigsten allergischen Reaktionen aus und lassen sich im Fall einer späteren Entfernung auch am unkompliziertesten behandeln. Je bunter und exotischer die verwendeten Farben, desto schwieriger gestaltet sich später eine mögliche Entfernung.

Wie läuft eine professionelle Tattooentfernung ab?
Prof. Gerber beschreibt den Ablauf in seiner Praxis in mehreren Schritten:
Analyse:
Begutachtung von Farben, Pigmentdichte und Stichtiefe.
Probelaserung:
Behandlung eines kleinen Testareals (ca. 1 cm²), um Hautreaktion und mögliche Farbumschläge zu prüfen – besonders relevant bei Permanent Make-up, wo sich Pigmente nach dem Lasern farblich verändern können, statt einfach zu verblassen.
Wartezeit:
Rund zwei bis drei Wochen zwischen Probelaserung und erster vollständiger Behandlung.
Behandlungsserie:
Je nach Tattoo etwa 10 bis 15 Sitzungen im Abstand von vier bis sechs Wochen, später auch zwei bis drei Monaten.
Technisch kommt dabei die sogenannte kalte Ablation mit ultrakurzen Laserimpulsen im Pikosekundenbereich zum Einsatz. Der dabei entstehende fotoakustische Effekt zertrümmert die Farbpigmente in der Haut in kleinste Fragmente, ohne das umliegende Gewebe wesentlich zu schädigen. Ein Teil der Pigmente wird über die Hauterneuerung an der Oberfläche abgestoßen, der größere Teil wird so weit zerkleinert, dass ihn das Lymphsystem abtransportieren kann.
Was kostet eine vollständige Tattooentfernung?
Eine vollständige Tattoo-Entfernung zieht sich meist über ein bis drei Jahre und kann sich – über alle Sitzungen summiert – auf 2.000 bis 3.000 Euro belaufen. Wer nur ein Cover-up plant, also ein neues Motiv über das alte stechen lassen möchte, kommt in der Regel schneller und günstiger zum Ziel, da nur so weit gelasert werden muss, bis der Tätowierer gut darüber arbeiten kann.
Kein Erfolg garantiert:
Prof. Gerber betont, dass sich eine vollständige Entfernung nicht garantieren lässt. Bei sehr tief gestochenen Tattoos mit hoher Farbdichte kann ein leichter Schatten zurückbleiben. Auch Veränderungen der Hautstruktur – etwa eine veränderte Textur oder leichte Vernarbung – sind möglich; sie entstehen bereits durch den Stichvorgang beim Tätowieren selbst und werden durch die Entfernung der Farbe lediglich sichtbarer, da die überdeckende Pigmentierung wegfällt.
Weitere Infos zur Tattooentfernung bei Prof. Dr. Peter Arne Gerber in Düsseldorf

Dieser Beitrag fasst Aussagen aus dem Interview „Sind Tattoos krebserregend?“ mit Prof. Dr. Peter Arne Gerber im SZ-Magazin vom 5. August 2025 zusammen. Den vollständigen Artikel lesen Sie im Original bei der Süddeutschen Zeitung.

